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Für ein großes Europa, von Gibraltar bis Wladiwostok!

Weblog-Archiv für 5. April 2008

Russlands Wohlstandsfonds und Devisenreserven steigen stürmisch – „Financial Times“

Verfasst von Kris Roman am April 5, 2008

IA Novosti). Der Umfang des Nationalen Wohlstandsfonds Russlands kann bis 2011 einen Umfang von 80 Milliarden Dollar erreichen und damit „voraussichtlich zu den zehn größten Fonds gehören“. Das schreibt die britische „Financial Times“ am Sonnabend.

Nach dem heutigen Stand beläuft sich der nationale Wohlstandsfonds nach Angaben des russischen Finanzministeriums auf 32,9 Milliarden Dollar.

Zugleich heißt es im Beitrag, dass „es äußerst wichtig wäre, den potentiellen Einfluss Russlands nicht zu überschätzen“. „Die mit dem Nationalen Wohlstandsfonds verbundene Strategie bleibt im innenpolitischen Kampf stecken“, so die Zeitung. „Außerdem sind Aufrufe zu vernehmen, den Fonds für die Deckung des Defizits des russischen Rentenfonds und der Verschuldung im Bereich der Infrastruktur zu gebrauchen.“

Die Zeitung verweist darauf, dass Russlands Devisenreserven mit ihren 500 Milliarden Dollar gegenwärtig die drittgrößten sind hinter China (1,65 Billionen Dollar) und Japan (980 Milliarden Dollar). Russland reichten lediglich zehn Jahre aus, die nach der Finanzkrise 1998 vergangen sind, um sich der Spitzentroika anzuschließen.

„Laut Schätzungen der Gesellschaft Capital Economics resultierten drei Viertel des Gewinns in diesem Jahr aus den Schwankungen auf dem Devisenmarkt“, schreibt die Zeitung.- „45 Prozent der russischen Reserven entfallen auf den Euro, der gegenüber dem Dollar stark gestiegen ist.“

Weitere Erfolgsfaktoren Russlands seien die hohen Ölpreise und die wieder erwachende Wirtschaft.

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Russische Luftwaffe stellt demnächst zweite Division der Fla-Raketen S-400 in Dienst

Verfasst von Kris Roman am April 5, 2008

 

Die russische Luftabwehrtruppen stellen demnächst eine zweite Division der Fla-Raketen S-400 „Triumph“ in Dienst.

Dies gab der Oberbefehlshaber der russischen Luftwaffe, Generaloberst Alexander Selin, am Freitag bekannt.

Die erste Division der Fla-Raketen S-400 war am 6. August 2007 in Elektrostal (Gebiet Moskau) in Stellung gegangen.

Der Fla-Raketenkomplex S-400 ist für die Bekämpfung aller Typen von Flugkörpern bestimmt – dazu zählen Flugzeuge, Drohnen und Marschflugkörper. Die S-400-Raketen können gegen aerodynamische und ballistische Ziele eingesetzt werden, was sie zum Schlüsselglied im Raketenabwehrsystem macht.

Die maximale Reichweite bei der Bekämpfung von aerodynamischen Zielen beträgt etwa 400 Kilometer, die Schusshöhe macht mehr als 30 Kilometer aus. Das S-400-System weist im Vergleich zu ähnlichen Waffen in Russland und Ausland eine dreifache Effektivität auf.

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Der neue Kalte Krieg: Wie der Kreml Russland und den Westen bedroht

Verfasst von Kris Roman am April 5, 2008

 

Michail Logvinov für RIA Novosti

 

Der Westen muss alles unternehmen, um Russland einen neuen Kalten Krieg nicht gewinnen zu lassen, in dem Geld, Energie und Propaganda seine gefährlichsten Waffen sind.

So kann man die Kernthese des Buches „Der Kalte Krieg des Kreml. Wie das Putin-System Russland und den Westen bedroht“ (Riemann Verlag, 2008) von Edward Lucas formulieren. Dieses Buch ist starker Tobak. Nach seiner Lektüre wird manchem (nicht nur europäischen) Leser unbehaglich.

Man sieht sich in einer – vom Autor sorgfältig konstruierten – durch das Putin-System gefährdeten freien Welt, die beinahe am Abgrund steht und für die es nur eine einzige Chance gibt zu überleben, und zwar indem man nicht von den Kosten eines neuen Kalten Krieges zurückschreckt, um dem wiedererwachten Russland die Stirn zu bieten.

Das moderne Russland wird von Lucas als äußerer Feind und Feind der offenen Gesellschaft dargestellt, das erstarkt dermaßen an der Subversion des Westens interessiert ist, dass ihm gegenüber eine Eindämmungspolitik Europas und Amerikas notwendig ist. „Wir haben es mit Menschen zu tun, die uns schaden, uns frustrieren und schwächen wollen“, so der Autor (S. 360).

Dieses Bild ist umso erschreckender, weil es dem Autor gelungen ist, die zu seinen Hetztiraden aus der Zeit des alten Kalten Krieges passenden Ereignisse und Deutungsmuster zusammenzustellen, um seine Vision des Aufkommens eines neuen zu rechtfertigen.    

„Der Westen ist dabei, den neuen Kalten Krieg zu verlieren, kaum dass er ihn als solchen erkannt hat. Wladimir Putin und seine Kreml-Verbündeten haben die Macht in Russland übernommen, werfen einen Schatten über die östliche Hälfte des Kontinents und errichten eindrucksvolle Brückenköpfe in den wichtigsten westlichen Ländern. Und die Bereitschaft zum Widerstand ist bedenklich schwach.

Das ist es, was mich veranlasst hat, nach mehr als 20 Jahren Berichterstattung über die Region nun dieses Buch zu schreiben“, erklärt Lucas seine wohl gründlich überlegte Entscheidung ein Buch zu schreiben, das begründet keine Chance auf einen Preis für Völkerverständigung hat (S. 37).

Für eine Rezension zu seinem Werk ist ein bibliographischer Ansatz am besten tauglich. Denn sein ganzes Leben widmete Lucas dem Stürzen des Kommunismus. An sich wäre dies eine Tugend, wenn er allerdings seine alten Reflexe auf moderne Entwicklungen nicht projizieren würde. Schon auf den ersten Seiten sticht sein Kommunismushass hervor, der seine Feder führt und die Neuauflage des Kalten Krieges rechtfertigt.

Auf die Frage „Wer ist Wladimir Putin?“ reicht ihm der Hinweis auf seine KGB-Vergangenheit und angebliche Herrschaftstraditionen, um eine Atmosphäre der Angst zu schüren. Gegen die Gegenargumente der „selbsternannten Russlandexperten“, die den Kalten Krieg für einen „ausgesprochenen Unsinn“ halten, wehrt er sich vehement, und zwar mit moralischem Überlegenheitsgefühl. 

Urteilen Sie selbst, ob ein Autor, der wie folgt über das Land schreibt, dessen größter Nachfolger Russland wurde, imstande wäre, sich analytisch vorurteilsfrei mit seiner Politik auseinander zu setzen?

„Als Michail Gorbatschows Perestroika (Umgestaltung) und Glasnost (Transparenz) in der Sowjetunion aufleuchteten und wieder verblassten, sah ich das erbärmliche Land in Stücken zerfallen. Die Woche, in der das üble Imperium zusammenbrach, war die glücklichste meines Lebens“ (S. 17).

Und noch ein prägnanter Kommentar aus einem anderen Anlass, der allerdings eine gewisse Kontinuität in der Wahrnehmung erkennen lässt. „Auch unter dem neuen durchsetzungsfähigen Regime im Kreml kann Russland keine militärische Bedrohung für den Westen sein. Es kommt ja nicht einmal mit den verbliebenen separatistischen Kämpfern in Tschetschenien zurecht, einer Provinz mit knapp 600 000 Einwohnern auf einer Fläche, die nicht größer ist als Cornwall.

In seiner abgewirtschafteten, betrunkenen, demoralisierten Armee sind Schikanen normal. Jeden Monat nehmen sich im Schnitt zwölf russische Soldaten das Leben. [...] Die Fähigkeit des Kreml, einen nuklearen Erstschlag zu führen, der die NATO außer Gefecht setzen würde, ist Geschichte“ (S. 15). Die Reihe solcher Urteile kann man ohne Mühe fortsetzen.

Man fühlt sich bei der Lektüre solcher schadensfrohen Passagen an eine alte, von Alexander Rahr beschriebene, Gewohnheit erinnert, sich voller Häme über den ständig stolpernden Erzfeind lustig zu machen. Dennoch setzt Lucas seine Argumentation fort und sieht die Gefahr, soweit eine nukleare Gefahr existiert, vor allem darin, „dass Paranoia und Inkompetenz zu einem unbeabsichtigten Großbrand führen können“ (S. 16).

Wenn von Russland keine direkte militärische Bedrohung ausgeht, wo sieht denn der Autor einen neuen Kalten Krieg entflammen? „Statt die gegnerische Seite mit Sprengstoffen, gehärtetem Stahl und angereichtem Uran zu bedrohen, kämpft man im neuen Kalten Krieg mit Geld, Rohstoffen, Diplomatie und Propaganda“, so der Autor (S. 25).

Der neue Kalte Krieg ist der Krieg um Marktanteile, lautet sein Urteil. Und in diesem Krieg ist die Habgier der Schlüssel, den man zur Erklärung der Kollaboration mit dem Feind heranziehen kann und muss. Denn Russland bedient sich der Wirtschaftslobby, die dem Kreml es ermöglicht, seinen gefährlichen und subversiven Einfluss im Westen zu vergrößern.

„Früher waren es kommunistische Gewerkschaften, die den Westen auf Geheiß des Kreml unterminierten. Jetzt sind es Kreml-freundliche Bankmanager und Politiker, die ihre Heimatländer für 30 Silberrubel betrügen“ (S. 29).

Österreich, Bulgarien, Zypern, Frankreich, Griechenland, Deutschland, Ungarn, Italien, Lettland, die Niederlande, Portugal, die Türkei und Slowenien, das ist eine unvollständige Liste der Länder, die die Gefahren nicht erkannt haben sowie der Versuchung nicht widerstehen konnten, ein „besonderer Freund“ des Kreml und „zuverlässige Lobby russischer Interessen“ zu sein (S. 33).

Nicht die Invasion der Panzer in Afghanistan wäre ein aktuelles Zeichen der westlichen Schwäche, sondern die Invasion russischer Banken in der Londoner City, so der Autor (S. 26). 

„Während des alten Kalten Krieges hätte kein NATO-Mitglied daran gedacht, sich auf private Deals mit dem Kreml einzulassen. Jedes Angebot der Sowjetunion wurde eingehend überprüft, und nur wenige Vertreter der westlichen Bürokratie sahen einen Vorteil darin, sich dem Ostblock gegenüber freundlich zu verhalten. [...]

Im neuen Kalten Krieg sind solche Geschäfte an der Tagesordnung“, wirft Lucas den NATO- sowie EU-Mitgliedern Verrat vor (S. 33). Argumente, die Vorbehalte gegen Russland würden auf Stereotypen basieren, nennt der Autor Schönfärberei.

Außer subtiler Taktik hat Lucas ein drastischeres Kriegsszenario zu bieten. Baltische Länder als Vorposten der Kalten Krieges qualifizierend, die wie „Westberlin in den Tagen des alten Kalten Krieges“ nicht zu verteidigen wären, stellt er ihren Symbolwert fest: „Wenn sie dem russischen Druck nachgeben, wer wird dann der Nächste sein? Den Kreml schreckt das nicht ab; er ist entschlossen, sie zu teilen und zu isolieren.

[...] Die Frage lautet: Wo wird das enden? Wenn Russland im Kaukasus oder im Baltikum bekommt, was es will, stehen der Balkan und Mitteleuropa als Nächste auf der Liste. Und was dann? Die Arktis? Westeuropa? Stück für Stück erweitert der Kreml seinen Einflussbereich“, schlägt er Alarm (S. 29).

Wie wurde diese düstere Entwicklung möglich und was kann sie aufhalten? Die Lösungen von Lucas sind genauso simpel wie seine schwarz-weiße Wahrnehmung. Früher hätte die Furcht vor der Sowjetunion die westliche Solidarität gefestigt und Europa von Amerika abhängig gemacht. Das sowjetische Feindbild war derjenige psychologische Muskel, der heute zu atrophieren scheint.

Man sei selbstzufrieden anstatt wachsam zu sein, man gewönne Vertrauen anstatt argwöhnisch zu handeln. Die Grundlinie des alten Kalten Krieges war grundsätzlich klar: Amerika sei ein nuklearer Schild in Europa gewesen, der Sicherheit und Freiheit garantierte.

Das Bestreben, mit Russland gute Beziehungen pflegen zu wollen (explizit verweist Lucas auf Deutschlands Versöhnungspolitik) wäre falsch, der Optimismus gegenüber Russland unbedacht.

Was heute durchaus nützlich wäre, sind diese alten Reflexe aus dem Kalten Krieg. Dies ist wohl die Krönung der Argumentation des zu besprechenden Buches (S. 27, 34).

Welche Problemlösungen bieten sich laut Lucas an? Elemente liegen auf der Hand, so der Hardliner (vgl. Kapitel „Wie der neue Kalte Krieg gewonnen wird“). Russland müsse wie ein autoritärer Staat behandelt werden. Europa und Amerika müssten erkennen, dass Russland sie spalten wolle.

Amerika müsse dementsprechend keinen „spalterischen Kuhhandel mit Russland akzeptieren“ und Europa seinerseits „schwelende Verachtung für Amerika fallen lassen“: „Die Europäer mögen im privaten Kreis den russischen Klagen über die Arroganz oder Inkompetenz der Amerikaner zustimmen, aber sie sollten sich vorsehen, diese auch öffentlich zu wiederholen“ (S. 360).

Warum? „Angesichts eines wiederaufstrebenden Russlands braucht Europa Amerika mehr als umgekehrt“, so Lucas weiter.

Neben den rational vertretbaren Forderungen nach der Entpolitisierung und Entmonopolisierung des russischen Energiesektors sowie nach der Durchsetzungsfähigkeit Europas als politischen Akteur enthält das Buch eine sinngemäß entgegengesetzte Aufforderung an den Westen, nationale (Energie)Sicherheit als „Aufgabe der Politiker, nicht der Geschäftsleute“ aufzufassen (S. 362, 363).

Also ruft Lucas die Europäer auf, die Energiesicherheit auf Grund des „moralischen Kapitals“ zu politisieren, während er dem Kreml dieses Recht abstreitet.

Es sei notwendig, die Wettbewerbsbestimmungen durchzusetzen, damit die Nord Stream-Pipeline nicht gebaut, während Nabucco politisch unterstützt und mit Steuergeldern finanziert wird. „Genau wie die NATO ihre Rüstungsausgaben im Kalten Krieg nicht ausschließlich nach den Interessen der Waffenfabriken ausrichtete, muss der Westen jetzt die kommerziellen Interessen der Banken und Energieunternehmen hinter Fragen der nationalen Verteidigung zurückstellen“ (S. 364).

Bemerkenswert ist, dass Lucas die ähnlichen Argumente des Kreml als Propaganda und Westenfeindlichkeit bezeichnet. Allerdings hält der Autor eine moralisierende Ausrede parat. Letztendlich hätte der neue wie auch der alte Kalte Krieg nicht der Westen begonnen und er würde von ihm nur „zögerlich“ ausgetragen.

Das Putin-System müsse grundsätzlich erkennen, dass seine Politik härter und wirksamer bestraft werden könne. Der Ausschluss aus der G-8 hätte eine der Optionen sein können (S. 368).

Ich überlasse es dem Leser, die Strategie des Autors sowie ihre Konsequenzen bis zum Ende zu durchdenken, weise allerdings auf einige nicht uninteressante Punkte hin. Die Vorschläge von Lucas stellen den Versuch dar, Russland aus Europa herauszudrängen.

Welchen Akteuren dies nicht ungelegen kommt, wird anhand des Buches klar. Die Frage ist, ob man durch die Feindkonstruktion „Russland“ und das Heraufbeschwören des neuen Kalten Krieges das Werden Europas als politischer und militärischer Akteur nicht verhindern möchte.

Zweitens sehe ich das Buch von Edward Lucas als Bestätigung von Erkenntnissen mancher Experten, die von einem schleichenden Beginn einer Veränderung der Weltordnung gesprochen haben. „Der im komfortablen Sicherheitsdenken gefangene Westen scheut jedes Risiko und ist in Panik geraten.

In Wirklichkeit zeigt der Streit, dass die romantische Ära des Triumphs des Liberalismus in der Weltwirtschaft sich dem Ende zuneigt. Wir sind Zeugen des Aufbruchs der Weltwirtschaftsordnung in eine neue Zeit. [...]

Vor zehn Jahren hat der Westen 80 Prozent aller Weltenergiereserven durch eigene Ölkonzerne kontrolliert – heute nur noch zehn Prozent“, schreibt Alexander Rahr in seinem neuen Buch „Russland gibt Gas. Die Rückkehr einer Weltmacht“ (Carl Hanser Verlag, 2008) (S. 21).

Und schließlich sehe ich die Argumentationsmuster des „Kalten Krieges des Kreml“ als Bestätigung einer Beobachtung von Rahr, der behauptete: „Die westlichen Irritationen bewiesen, dass alle vorangegangenen Gespräche über eine fruchtbare militärtechnologische Zusammenarbeit mit Russland, unter anderem im Rahmen der NATO-Russland-Partnerscheft, reine Makulatur gewesen sind.

Der Westen spielte die Idee der Partnerschaft nur vor. Niemand hatte ernsthaft vor, sie in die Praxis umzusetzen. Es bestand eben doch kein Vertrauen in eine Zusammenarbeit in sensiblen Bereichen. Der Westen möchte keine wirtschaftlichen Konkurrenten neben sich dulden“ (S. 16).       

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NATO-Geheimarmeen und inszenierter Terror in Europa

Verfasst von Kris Roman am April 5, 2008

 

Michail Logvinov für RIA Novosti

 

Bis heute weigert sich die NATO, zu ihrem bestgehüteten Geheimnis eine klare Stellung zu nehmen.

Es handelt sich dabei um die Unterhaltung einer an terroristischen Operationen und Menschenrechtsverletzungen beteiligten Geheimarmee in Europa.

Es ist noch nicht lange her, als während der Blockkonfrontation die kommunistisch regierten Länder des Terrorkriegs gegen die NATO-Staaten bezichtigt wurden. Nach heutigem Erkenntnisstand waren die von der NATO und den nationalen militärischen Geheimdiensten engagierten Konservativen und Rechtsextremisten, die nach der eventuellen Invasion der Sowjetunion hinter der feindlichen Linie als „Stay-behind-Armeen“ den Aggressor bekämpfen sollten, selbst in schwere Verbrechen und Terroranschläge in westeuropäischen Ländern verwickelt. Für diese wurde durch gezielte Medienkampagnen den Kommunisten die Schuld gegeben.

Zu diesem Ergebnis kommt der Schweizer Historiker Daniele Ganser in seinem Dissertationsprojekt zu verdeckten militär-politischen Operationen in der Nachkriegszeit. Im Buch „NATO-Geheimarmeen in Europa. Inszenierter Terror und verdeckte Kriegsführung“ (Orell Füssli Verlag, 2008) präsentiert Ganser der breiten Leserschaft erschütternde Ergebnisse seiner Recherchen und offenbart eine ungeahnte und erschreckende Ohnmacht der demokratischen Institutionen gegenüber dem weitverzweigten geheimen Netzwerk der durch die NATO, CIA und MI6 ins Leben gerufenen, finanzierten und logistisch unterstützten „Operation Gladio“.

Auch nach dem Ende des Kalten Krieges war es „höchst erschreckend zu sehen“, schildert der Autor seine Impressionen von zahlreichen Kontaktaufnahmen mit den Vertretern von nationalen Sicherheitsbehörden und Judikativen, „wie verschiedene Regierungen, die NATO, die CIA und andere Geheimdienste sich strikt weigerten, das Thema Geheimarmeen aufzuarbeiten, obschon das Parlament der Europäischen Union dies explizit gefordert hatte“ (S.13).

In seiner brillanten Analyse schildert Ganser aufgrund zugänglicher Quellen sowohl die Spitze des Eisbergs – die Rolle der NATO, der CIA und des MI6 beim Aufbau der geheimen Armeen und dem Militärtransfer in Form von Ausbildung, Know-how (Hightech-Kommunikationsmittel), Sprengstoff, Schusswaffen und Munition -, als auch die Entwicklung und subversive Taktiken bzw. unkonventionelle Kriegsführung der von den Regierungen der NATO-Staaten unterhaltenen und durch ihre Geheimdienste geschützten nationalen Geheimarmeen.

„Leitende Offiziere des geheimen Netzwerks wurden unter der Leitung der amerikanischen Green Berets Special Forces in den Vereinigten Staaten von Amerika und den britischen SAS-Spezialeinheiten in England ausgebildet. Zu den geheimen Gladio-Soldaten, die in den strikt antikommunistischen Teilen der Gesellschaft rekrutiert wurden, zählten sowohl moderate Konservative wie auch Rechtsextreme, etwa ehemalige Mitglieder der SS in Deutschland oder die berüchtigten rechtsradikalen Terroristen Stefano Delle Chiaie und Yves Guerain Serac in Italien und Frankreich“, so der Historiker (S. 22).

Was die nationale geheime Kriegsführung anbelangt, so liegen nachgewiesene Informationen vor, dass die verdeckten Operationen in den Territorien von 14 damaligen NATO-Staaten auf Hochtouren liefen, und zwar in Italien, Großbritannien, in den USA, Frankreich, Spanien, Portugal, Belgien, in den Niederlanden, Luxemburg, Dänemark, Norwegen, Deutschland, Griechenland, und in der Türkei. Wenig spricht dagegen, dass die Gladio-Armeen auch in den damals neutralen Ländern Europas ihren Fuß fassten.

Ganser liefert eine Menge brisanter Informationen und prägnanter Analysen über geheime Kriege in jedem der aufgelisteten NATO-Staaten, wirft bohrende und für die Betroffenen unerquickliche Fragen, die leider ohne Kommentar durch offizielle Entscheidungsträger oder Behörden bleiben.

Da die gefürchtete großangelegte Invasion des Warschauer Blocks ausblieb, konzentrierten sich die Gladio-Netzwerke auf die Eindämmung der inneren Gefahr und führten einen Kampf gegen die starke westeuropäische politische Linke. Die geheimen Armeen seien an einer Reihe der terroristischen Anschläge beteiligt gewesen, die im Anschluss den Kommunisten vorgeworfen wurden, schlussfolgert der Autor aufgrund zugänglicher Sekundärquellen (ebd.).

Mit Hilfe der Manipulationen der Medien ist es gelungen, die spektakulären Anschläge in die Schuhe der linken terroristischen Kampfgruppen zu schieben und dadurch die rote Gefahr allgegenwärtig erscheinen zu lassen sowie die politische Linke ins Misskredit zu bringen.

Staatsstreich, Folter, Terror, Mord und Kidnapping gehörten zu Methoden, die antikommunistisch gesinnte Gladio-Gruppen ihren ideologischen Gegnern entgegenzusetzen wussten, um die Ausbreitung der „roten Pest“ in Europa zu verhindern. Hierbei galt es, innerhalb des Landes Spannungen zu erzeugen, reaktionäre politische und soziale Tendenzen zu fördern sowie diejenige, die dahinter standen, in Schutz zu nehmen. Die verantwortungslose militär-politische Unterstützung der verdeckten Operationen dauerte bis Anfang der 90er Jahre an. Das letzte bestätigte Treffen des Allied Clandestine Committee (ACC) habe am 24. Oktober 1990 in Brüssel stattgefunden (S.21).

„Die Operationen zielten immer darauf ab, unter der Bevölkerung möglichst viel Angst zu schüren. Das reichte von Bombenmassakern in Eisenbahnen und auf Märkten (Italien) über die Anwendung systematischer Folterung von Regimegegnern (Türkei), die Unterstützung rechtsradikaler Staatsstreiche (Griechenland und Türkei) bis hin zur Zerschlagung oppositioneller Gruppen (Spanien und Portugal)“ (S. 22-23).

Das Alarmierende an der Operation Gladio war, dass diese Netzwerke wie die Kommandozentralen sich jeglicher Kontrolle durch demokratische Institutionen entziehen konnten (vgl. S. 51, 53). „Die Beweise um Gladio [zeigen], dass die CIA und das Pentagon während des Kalten Krieges wiederholt außerhalb der demokratischen Kontrolle operierten und auch nach dem Kalten Krieg für ihre Aktionen nicht verantwortlich gemacht wurden“ (S. 68).

Die sich ausbreitenden Enthüllungen über die geheimen Netzwerke der „faschistischen Elemente“, die im Dienste der NATO ihre Waffenverstecke im ganzen Westeuropa eingerichtet haben, begleiteten, so der Autor, die „frechen Lügen“ und „Desinformationsstrategien“ (S. 58). Kommentare wie „keine Aussage zu militärischen Geheimsachen“ gehören zum guten Ton der kritischen Auseinandersetzung mit der Operation Gladio (S. 58, 59).

Dass es gute Gründe gibt, keine Statements abzugeben, weist Ganser an mehreren Beispielen nach. So wurden z.B. in Deutschland Schwarze Listen über Personen erstellt, die im Falle eines Krieges gegen die Sowjetunion als unzuverlässig erachtet würden und daher liquidiert werden müssten (S. 301). Auf dieser Liste stünden nicht nur die westdeutschen Kommunisten, sondern auch Sozialdemokraten, die an einem Tag X eliminiert werden müssten, wobei das Verhältnis Aufsehen erregend war: Neben 15 Karteiblätter der Kommunisten gab es 80 Einträge über führende Sozialdemokraten (S. 309).

Doch als noch schwerwiegender erscheinen die Anschuldigungen, die aus weiteren Recherchen von Ganser resultieren. Der Autor stellt fest, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz Deutschlands (BfV), eine Behörde, zu deren Aufgaben die Bekämpfung des politischen Extremismus gehört, die geheime „Stay-behind-Armee“ deckte (S. 311).

Laut einem Bericht des Gladio-Insiders, waren die Amerikaner beim Aufbau einer „zuverlässigen deutschen Truppe“ „hauptsächlich an ehemaligen Wehrmachtangehörigen interessiert“ (ebd.). Es sei also plausibel, dass mit der Personalrekrutierung für den Technischen Dienst des Bundes Deutscher Jugend (BDJ), so der irreführende Name eines „Stay-behind-Netzwerkes“, SS- und Gestapo-Offizier Klaus Barbie beauftragt wurde (S. 297).

Ein noch mehr spektakuläres wie aufwühlendes Kapitel der Geschichte der NATO-Geheimarmee in Deutschland stellt die Kooperation der Amerikaner und Briten mit dem „am Mord durch Verhungern von etwa vier Millionen sowjetischer Kriegsgefangenen“ schuldigen General Reinhard Gehlen in der Hitlerzeit, der einen mit der Deckung und Führung der deutschen „Stay-behind-Armee“ befassten Geheimdienst leitete (S. 298).

Die deutsche Gladio-Affäre 1952 führte nicht zur Auflösung der geheimen Armee. Nicht nur das Netzwerk, „sondern auch der deutsche Geheimdienst ORG (Abkürzung für Organisation Gehlen – M.L.) und sein Stab überlebten 1952 die Entdeckung von Teilen der deutschen Gladio fast ohne einen Kratzer, weil sie von der mächtigen CIA geschützt wurden. General Reinhard Gehlen blieb im Amt, und 1956 änderte die „Organisation Gehlen“ ihren Namen und wurde nun „Bundesnachrichtendienst“ (BND) genannt. Als der CIA-Direktor Allan Dulles einmal gefragt wurde, ob er sich nicht schämte, mit dem Nazi Gehlen zusammengearbeitet zu haben, antwortete er: „Ich weiß nicht, ob er ein Schurke ist. In den Geheimdiensten gibt es wenige Heilige … Außerdem, man musste ihn ja nicht zu sich in den Klub einladen.“ (S. 312)

Am Beispiel Deutschlands wie vieler anderer Fälle zeigt der Autor des zu besprechenden Buches auf, wie die Entscheidungsträger in Sachen Gladio-Operation unbestraft davon kommen konnten. Keiner der bedeutenden Geheimdienste konnte öffentlich zur Rechenschaft gezogen werden. „Auch nach Jahren der Entdeckung des höchst geheimen Netzwerks ist die offizielle Antwort der NATO, etwa wie im Jahr 1990, durch Schweigen und Leugnen charakterisiert“ (S. 65). Freche Lügen scheinen also die Oberhand zu gewinnen.

Seit den Römern gilt: Historia est magistra vitae. Das Buch des Historikers Daniele Ganser „Nato-Geheimarmeen in Europa“ lehrt seine Leser nicht nur den kritischen Umgang mit der Geschichte, es klärt über die großen Lügen auf, die durch die Feindkonstruktionen und den großen Propagandaaufwand zur Historie zu werden droh(t)en.

Es sind viel zu viele Lügengeschichten, die uns für wahre Münze verkauft werden. Es ist wieder einmal gelungen, einem großen historischen Schwindel nachzugehen. Das ist das größte Verdienst des Autors. Dennoch lehrt uns seine gründliche historische Untersuchung noch eins: Und zwar die Notwendigkeit, die eigenen Feindbildkonstruktionen, die für Propaganda und suggerierte mediale Weltbilder ein fruchtbarer Boden sind, zu hinterfragen und beharrlich auf dem Wege der Wahrheitsfindung zu bleiben. Das ist es, was dieses Buch so unentbehrlich in der heutigen politischen Realität macht.

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