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„Oh meine Brüder, nicht zurück soll euer Adel schauen, sondern hinaus!
Vertriebene sollt ihr sein aus allen Vater- und Urväterländern!
Eurer Kinder Land sollt ihr lieben: diese Liebe sei euer neuer Adel.“
Friedrich Nietzsche, Also sprach Zarathustra
Gegen die Idee Eurasiens als politischer Einheit wird von „nationaler“ Seite unweigerlich das Faktum der unterschiedlichen und daher angeblich unvereinbaren Völker und der von diesen abgeleiteten Kulturen ins Treffen geführt. Für die xenophobe „Rechte“, die das „Ausländerproblem“ in einer lächerlichen Form in den Vordergrund schiebt – obwohl es sich dabei nur um eine zwangsläufige Konsequenz des kapitalistisch-imperialistischen Wirtschaftens handelt – ist es das Volk, das in einer pseudo-mystischen Weise alle Institutionen hervorbringt: Staat, Kultur, sogar Religion. Eine groteske materialistische Verkehrung! Aber es sei zugestanden: wenn es sich so verhalten würde, daß das Volk nicht der schöpferische Boden für die staatsgründende und religionsstiftende Tat wäre, sondern bereits selbst das Ganze wäre, das in einem unerklärlichen Akt der Jungfern-Selbst-Geburt Höheres aus sich hervorbringt, dann wäre die Idee Eurasiens von vorneherein zum Scheitern verurteilt. Aber dem ist natürlich nicht so, es ist immer noch ein höheres Prinzip, das die staatliche Form und dessen sakralen Gehalt determiniert: die Idee. Dem Schmittschen Diktum „Der Begriff des Staates setzt den Begriff des Politischen voraus“ widerspricht dies nicht! Denn es gilt: „Die eigentlich politische Unterscheidung ist die von Freund und Feind“. Und gerade in der politischen Entgegensetzung zum amerikanischen Globalismus und seiner zionistischen Speerspitze soll Eurasien entstehen, nicht als Nationalstaat, sondern als Reich.
Dem zuerst zitierten Eingangszitat des „Begriffs des Politischen“ (Text von 1932) setzte Schmitt hinzu: „Staat ist nach dem heutigen Sprachgebrauch der politischen Status eines in territorialer Geschlossenheit organisierten Volkes.“ Dies ist allerdings überholt. „Staat“ entspricht weder nach dem heute üblichen, noch dem heute erforderlichen Sprachgebrauch dieser Definition. Gerade dieses obsolet Werden des Nationalstaates hat Carl Schmitt den großen und noch wichtigeren Teil seines Lebenswerks gewidmet: der Theorie des Großraums und dem Aufweis des Nomos der Erde. Theorieansätze, die von der geopolitisch orientierten eurasischen Bewegung aufgenommen wurden und im Modell Eurasien zur Reife gebracht wurden. Heute ist „Staat“ eine letztlich nicht real existierende Hülse zur Verschleierung und bisweilen Durchsetzung wirtschaftlicher Interessen des Finanzkapitals. Der Staat, das Reich, das gegründet werden muß und wird, ist die überkonfessionelle und übernationale Einheit, der schicksalhaft in einem Großraum – dem Kontinent Eurasien – vereinten und unter einer Idee dem territorial maßlosen , „unbregrenzten“ Amerikanismus mit seinem zionistisch-puritanischen Auserwähltheitsanspruch entgegengesetzten Völkern, die zu einer Nation im höheren Sinn zusammenwachsen werden müssen, wenn sie souverän sein wollen und um sich überhaupt in ihrer Existenz erhalten zu können. Kreise, die demgegenüber gegen eurasische Religionen, Völker und Kulturen als „fremdvölkische“ oder „unvereinbare Kulturen“ Ressentiments schüren, ob unter „multikulturellem“ oder „rechtspopulistischen“ Mäntelchen, – wie dies heute primär gegen den Islam und die Türkei, aber auch gegen Rußland geschieht – sind objektiv die Verbündeten des amerikanisch-zionistischen Feindes und werden oftmals auch tatsächlich von diesen gespeist. Die eurasische Gründung erfolgt wie alle geschichtlich erfolgreichen Gründungen durch eine Elite und von einer Idee her, sie verwirklicht die noch ungedachten Wünsche der Völker, folgt aber nicht dem falschen Mythos der Nation als immerwährende Gegebenheit. Bis die Nation des Reiches Eurasiens in die Wirklichkeit tritt bleibt unser Vaterland die Idee.
Zu Erläuterung dieser Grundsätze zitieren wir Julius Evola aus „Menschen inmitten von Ruinen“ (http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3891800312/kshatriya04) , die Hervorhebungen stammen von uns:
„Eine kurze geschichtliche Übersicht kann die rückschrittliche Bedeutung vom Mythos der Nation klarstellen. Der Beginn dieser Abweichung ist bei denjenigen europäischen Staaten zu sehen, die trotz Anerkennung des politischen Prinzips der reinen, übergeordneten Souveränität die Gestalt von ‘Nationalstaaten’ annahmen. Dies geschah im wesentlichen in einem antiaristokratischen (antifeudalen) und antihierarchischen Geist gegenüber der europäischen Einheit, da die höhere Autorität des Heiligen Römischen Reiches nicht mehr länger anerkannt wurde und sich die einzelnen politischen Gruppierungen, deren Oberhäupter die jeweiligen Fürsten waren, in anarchistischer Weise verabsolutierten. Da diese Fürsten keine Unterstützung mehr von oben hatten, suchten sie sie unten, und zwar in einer Zentralisierung, die ihnen später ihr eigenes Grab schaufeln sollte, mußte doch eben dadurch ein mehr oder weniger formloses und ungegliedertes Konglomerat immer mehr an Raum und Bedeutung gewinnen. So bereiteten sie die Strukturen vor, die dann in die Hände der ‘Nation’ als Drittem Stand und später der Nation als ‘Volk’ und ‘Masse’ übergehen sollte.“
„Diesen ‘patriotischen’ Ideologien ist im übrigen die völlige Verkehrung eigen, wonach sich ein rein natürlicher Umstand - wie ihn die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Volksstamm oder einer bestimmten geschichtlichen Gesellschaft eben darstellt - in etwas Mystisches verwandelt und zum höchsten Wert überhaupt wird, so daß der Einzelne nur als citoyen (Bürger) oder enfant de la patrie (Kind des Vaterlands) etwas gilt, deren Zusammenschluß dann jedes höhere Prinzip, beginnend mit der Souveränität, ableugnet, stürzt und es ihm – als dem ‘Willen der Nation’ unterordnet.“
„Die Heiligkeit und Unberührbarkeit der ‘Nation’ und des ‘Volkes’ sind nichts weiter als die Übertragung von Eigenschaften, die der Großen Mutter in den alten volkhaften Matriarchaten zugeschrieben wurden, in Gesellschaften also, in denen das männliche und politische Prinzip des Imperiums unbekannt war.“
„Wenn ‘Vaterland’ auch sicherlich ‘Land der Väter’ heißt, konnte diese Bedeutung nur zu einem sehr frühen Zeitpunkt zugetroffen haben, denn die uns bekannten geschichtlichen Vaterländer und Nationen haben sich fast immer in Ländern gebildet, die nicht die ursprünglichen waren und sich auf jeden Fall über viel größere Gebiete als die ursprünglichen erstreckten. Diese Gebietserweiterung entstand durch Eroberung, Angliederung und Bildungsprozesse und setzte die Kontinuität einer Macht, eines Souveränitäts- und Autoritätsprinzips sowie die Einheit einer Gruppe von Menschen voraus, die durch dieselbe Idee und Treue zusammenhielten, die dasselbe Ziel verfolgten und demselben inneren Gesetz gehorchten, einem Gesetz, das sich in einem genauen politischen und gesellschaftlichen Ideal widerspiegelte. Das ist das Entstehungsprinzip und die Grundlage einer jeder großen Nation. Der politische Kern verhält sich daher zur rein naturalistisch anzusehenden Nation wie die Seele als ‘Entelechie’ zum Körper: Er verleiht ihr Form, eint sie und läßt sie an einem höheren Leben teilnehmen. Deshalb kann man auch sagen, daß die Nation überall dort besteht und sich dorthin erstreckt, wo dieselbe „innere Form“ nachgebildet ist, also die Weihe und Prägung, die von der höheren politischen Kraft und von denen ausgeht, die deren Träger sind: ohne geographische, ja sogar ohne ethnische Grenzen im engen Sinne.„
„Nur wenn die ideelle Spannung abnimmt, sich die Unterschiede vermischen und die um das übergeordnete Symbol der Souveränität und der Autorität gesammelte Gruppe von Menschen schwach und zerfällt, nur dann kann sich das, was bloß Endergebnis und äußerlich Geformtes ist – die ‘Nation’ - , verselbständigen und abspalten, bis es gleichsam den Anschein eigenen Lebens erweckt. So schiebt sich die ‘Nation’ als Volk, Kollektiv und Masse in den Vordergrund (…). Es ist gleichsam das Geschöpf, das dem Schöpfer über den Kopf wächst, wenn (…) keine Souveränität mehr anerkannt wird, die nicht Ausdruck und Widerspiegelung des ‘Willens zur Nation’ ist. Von der politischen Klasse, als Orden und ‘Männerbund’ verstanden, geht man zu den Demagogen und ‘Dienern des Volkes’ über, zu den demokratischen Politikern, die für sich in Anspruch nehmen, das Volk zu ‘vertreten’, aber mit ihren Schmeicheleien und ihrem Lavieren nur Machtpositionen einheimsen.“
„Auf der einen Seite steht eine Masse, bei der, abgesehen von wechselnden Gefühlen, immer mehr oder weniger dieselben elementaren Instinkte und dieselben an die physischen und hedonistischen Interessen wirken werden. Auf der anderen Seite stehen Menschen, die sich völlig von ersteren unterscheiden, da sieTräger einer ganzen Legitimität und Autorität sind, die sich aus der Idee und der strengen, überpersönlichen Treue zu ihr ergibt. Die Idee, und nur die Idee darf für sie das echte Vaterland sein. Nicht, daß sie von demselben Land kommen, dieselbe Sprache sprechen oder desselben Blutes sind, sondern, daß sie derselben Idee angehören, muß für sie dasjenige sein, was sie eint oder trennt. Das, was nur scheinbar oder vermischt kollektivistisch eins ist, auflösen, sauber trennen und dann den Kern einer männlichen Substanz als politische Elite schälen, so daß sich um ihn herum Neues kristallisieren kann, das ist die wahre Aufgabe sowie die Voraussetzung dafür, daß auch die ‘Nation’ wieder entsteht, wieder eine Form und ein Bewußtsein gewinnt. Wir nennen dies den Realismus der Idee: Realismus, weil Kraft und Klarheit für dieses Werk wichtig sind, und nicht ‘Idealismus’ und Sentimentalität.“
„Somit wird (…) deutlich, wie unzureichend der bloße Begriff der ‘Nation’ als Grundprinzip ist und wie not es tut, daß er politisch integriert wird, das heißt in Abhängigkeit von einer übergeordneten Idee zu stehen kommt, die der echte Vergleichsmaßstab sein muß, also das, was eint, und das, was trennt. Wesentliche Aufgabe ist es also, eine geeignete Lehre zu formulieren, sich dabei an streng durchdachte Prinzipien zu halten und von dieser Plattform aus etwas wie eben einen Orden aufzubauen.“
„Damit wird diese Elite zur Trägerin eines neuen Prinzips zeitloser Autorität und Souveränität, sie wird die Subversion und Demagogie, ganz gleich in welcher Erscheinungsform sie auch auftreten, anklagen sowie der abwärts gerichteten Bewegung der Führungsspitze und der aufwärts gerichteten der Basis Einhalt gebieten Aus ihr wird wie aus einem Samen das Leben eines politischen Organismus und einer integrierten Nation in derselben Würde hervorgehenkönnen, wie sie einst schon von der großen politischen Tradition Europas geschaffen wurde. Alles andere ist nichts weiter als Sumpf, Dilettantismus, Irrealismus, Unlauterkeit.“
Wir werden niemals behaupten, daß Evola bei dieser Idee an Eurasien gedacht hat, aber sehr wohl daß diese Idee heute nur mehr Eurasien sein kann: als die kontinentale Einheit aller lebendigen Traditionen, entspringend der einen primordialen Tradition, entgegengesetzt der weltweit Subversion als „Freiheit“ und „Demokratie“ verbreitenden Anti-Tradition, die amerikanische Thalassokratie und ihr zionistischer Stützpunkt, der Küstenstreifen im Herzen Arabiens und als atomare Abschußrampe der Küste Europas gegenüberstehend. Die Beseitigung dieses zionistischen Gebildes als politischer Einheit und die Eindämmung des amerikanischen Einflusses auf allen Ebenen – militärisch, wirtschaftlich, kulturell, religiös – ist der Überlebensimperativ Europas, der nur gemeinsam mit der islamischen Welt, Rußland und China verwirklicht werden kann. Was unter anderen Vorzeichen heute als „national“ auftritt ist Nostalgie, Sentimentalität, Populismus und aufgrund seines reaktionär-sabotierenden Charakters Hilfestellung für das US-“Imperium“ (Parodie und in Wirklichkeit Gegenteil eines Imperiums) – ob der (un)heiligen Einfalt entspringend oder vom Auftraggeber bezahlter Söldnerdienst in den Fußtruppen des „Uncle Sam“.
Martin A. Schwarz