2 Prozent der Bürger in Armenien, das traditionell als Moskaus Verbündeter gilt, sind nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Gallup negativ gegenüber der Politik Russlands eingestellt, schreibt die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Dienstag.
Einige Experten neigen dazu, diese Befragung als eine Episode im Informationskrieg zwischen dem Westen und Russland zu betrachten.
„Merkwürdige Ergebnisse, früher hat es in Armenien so etwas nie gegeben“, sagte Alexander Iskandarjan, Direktor des Kaukasischen Massenmedien-Instituts, in seinem Kommentar zu den überraschenden Umfrageergebnissen. „Die Ergebnisse einer solchen Befragung vom vorigen Jahr waren genau entgegengesetzt. Gallup ist gewiss eine respektable Firma, doch kommt es sehr darauf an, welche Methoden hierbei angewendet wurden. Die Auslegungen soziologischer Angaben sind oft politisch motiviert.“
„Wahrscheinlich ist das damit zu erklären, dass während der Umfrage die Nachricht über die Erhöhung der russischen Gaspreise kam“, so der armenische Politologe. „Das hat eine drastische Erhöhung der Lebensmittelpreise und die Verteuerung des Transports hervorgerufen. So etwas konnte einen Ausbruch von negativen Gefühlen gegenüber Moskau provozieren.“
Michail Alexandrow, Leiter der Kaukasus-Abteilung am Institut für GUS-Fragen, hält die Befragungsergebnisse für einen Propagandatrick. „Das Ergebnis wurde dem Gallup-Zentrum vorgegeben“, sagte er der „Nesawissimaja Gaseta“. „Der Westen war sehr darüber enttäuscht, dass es ihm nicht gelungen ist, durch eine abermalige ‘farbige Revolution’ Lewon Ter-Petrossjan an die Macht zu bringen.“
„Um Zugang zum Kaspischen Meer zu erhalten, Stützpunkte in Aserbaidschan aufzubauen und den Energietransportkorridor aus Zentralasien unter eigene Kontrolle zu nehmen, gilt es, Aserbaidschan in die Nato einzubeziehen“, setzt der Politologe fort, „Aserbaidschan aber hat eine Bedingung gestellt: Es trete in die Nato erst ein, wenn die Karabach-Frage zu seinen Gunsten gelöst werde. Die um Ter-Petrossjan gruppierten Kräfte hatten die Unterstützung von 30 Prozent der Bevölkerung und wollten damit die Macht übernehmen. Daraus ist nichts geworden.“
„Das hat die gesamte Kaukasus-Strategie des Westens zerstört. Denn Ter-Petrossjan war ja schon bereit, ohne vorherige Anerkennung der Karabach-Unabhängigkeit durch Baku die armenischen Truppen zurückzuziehen. Im Grunde hätte das die allmähliche Rückkehr Karabachs nach Aserbaidschan bedeutet“, so Alexandrow abschließend.